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Geschichte der Siebenbürger Sachsen
25. Januar 2021
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Die deutschsprachige Minderheit der Siebenbürger Sachsen ist seit dem 12. Jahrhundert im Landesteil Siebenbürgen im heutigen Rumänien ansässig und ist die älteste noch existierende deutsche Siedlergruppe in Osteuropa. Das Siedlungsgebiet hatte keinen Anschluss an reichsdeutsches Territorium. Im Großen Türkenkrieg besetzten die Habsburger das Fürstentum und gliederten es 1699 in die Habsburgermonarchie ein. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg proklamierte die Karlsburger Nationalversammlung die Vereinigung Siebenbürgens mit dem rumänischen Altreich. Unter dem rumänischen Reich erlebten die Siebenbürger Sachsen Diskriminierung, weshalb zahlreiche Siebenbürger nach Berlin auswanderten.

Aufgrund des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt 1939 und einem geheimen Zusatzprotokoll wurden zahlreiche Angehörige der deutschsprachigen Minderheit aus den rumänischen Gebieten in das Reichsgebiet überführt. Rumänien kämpfte während des zweiten Weltkrieges an deutscher Front. Berlin vereinbarte auch mit der rumänischen Führung die Umsiedlung der Deutschen aus der Südbukowina, der Dobrudscha und dem rumänischen Altreich. Von Februar 1942 bis im Mai 1943 wurden wehrfähigen Deutsche aus Nord- und Südsiebenbürgen zur Waffen-SS eingezogen.

Mit dem Frontwechsel Rumäniens im August 1944 hatten die Siebenbürger Sachsen kollektiv die Kriegsfolgen zu tragen. Von den Überlebenden an der Front konnten nur wenige Tausend nach Rumänien zurückkehren, wo ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt, sie verhaftet und zum Teil jahrelang gefangen gehalten wurden.  Die von der Sowjetunion eingesetzten Behörden gaben den deutschsprachigen Minderheiten die Kollektivschuld für die Teilnahme Rumäniens am Krieg und der „Besetzung Rumäniens durch Nazideutschland“. Im Januar 1945 wurde die arbeitsfähige deutsche Bevölkerung Rumäniens – Erwachsene Männer und Frauen – zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Ihnen wurden die Bürgerrechte entzogen, und sie wurden ihres Landes und Besitzes enteignet. Viele wurden eingekerkert oder ermordet: Ungefähr 15 Prozent der insgesamt 75.000 Deportierten kamen ums Leben.

Andere entschieden sich zur Flucht. Im November 1944 erreichten etwa 40.000 Siebenbürger Sachsen aus rund 50 Dörfern das Gebiet des heutigen Nieder- und Oberösterreich sowie das Land Salzburg. Von der Sowjetarmee überrollte Restgruppen dieser Fluchtbewegung wurden nach Siebenbürgen zurückgeschafft, jedoch nicht in ihre Heimatorte eingelassen, sondern in Internierungslagern untergebracht und zu Zwangsarbeiten herangezogen.

In den ersten Nachkriegsjahren wurde die deutsche Minderheit in Rumänien weiter diskriminiert. Sie besaß zwischen 1946 und 1950 kein Wahlrecht. Mit dem Verstaatlichungsgesetz vom Juni 1948 wurden alle privaten Industrie-, Bank und Gewerbebetriebe Rumäniens in Staatseigentum überführt, im August 1948 wurden die Schulen verstaatlicht – ein schwerer Schlag auch für die deutschen Kirchen. Die deutschsprachigen geistigen und politischen Eliten wurden nach 1948 in Gefängnisse gesperrt oder in Straf- und Arbeitslager verbannt. Im Juni 1951 kam es im Zuge der sowjetisch-jugoslawischen Kontroverse zu einer Umsiedlungsaktion in die Region Banat, bei der ca. 10.000 Deutschrumänen in die südrumänische Ebene verschleppt wurden.

Zwischen 1950 und 1980 folgten weitere Auswanderungswellen: 90.000 Personen wanderten unter Berufung auf ihre deutsche Abstammung vor allem in die Bundesrepublik Deutschland aus. In den Jahren 1980 bis 1989 vergrößerte sich diese Auswanderungswelle um weitere 150.000 Menschen. Nach der politischen Wende 1990 verstärkte sich die Aussiedlung der Rumäniendeutschen dramatisch, sodass die Zahl der einst 300.000 Siebenbürger Sachsen in Rumänien im Jahr 2004 nur noch etwa 14.000 Personen betrug. Heute leben rund 200.000 Landsleute in Deutschland, 20.000 in Österreich und ca. 33.000 in Nordamerika.

https://www.siebenbuerger.de/portal/land-und-leute/siebenbuerger-sachsen/

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/845696-Die-letzten-Siebenbuerger-Sachsen.html?em_cnt_page=2

http://7buerger.at/wien

https://drive.google.com/file/d/1iLboHVGarmk-SP_FRE91XKJaxfdJC5hN/view

Beitragsbild: Karte „Siedlungsgebiete der Siebenbürger Sachsen“ – (c) Haus der Heimat/ VLÖE

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