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Schicksal der Gottscheer: von Umsiedelung, Vertreibung, Fluch und Neubeginn
21. Januar 2021
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Als „Gottscheer“ wird die ehemalige deutschsprachige Bevölkerung des Gottscheerlands im Herzogtum Krain (damals Steiermark, heute Slowenien) bezeichnet, eine deutsche Sprachinsel, die bis 1941 bestand. Die aus Oberkärnten und Osttirol stammende deutschsprachige Bevölkerung, die sich dort seit 1300 ansiedelte, kultivierte das recht karge Land. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen Türkeneinfälle und Franzosenkriege wuchs die Bevölkerung bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf ca. 26.000. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der aufkeimenden politischen Spannungen begannen zahlreiche Gottscheer ab 1870 in die Vereinigten Staaten auszuwandern.

Über Jahrhunderte lebte die Gottscheer Bevölkerung in Eintracht und Frieden mit ihren slawischen Nachbarn. Das Ende der Monarchie und die Besitznahme der Untersteiermark durch das SHS Königreich (Staat der Serben, Kroaten und Slowenen) leitet jedoch das Ende dieses friedlichen Zusammenlebens sowie der Präsenz der Gottscheer ein.

Der SHS-Staat trat zwar dem Friedensvertrag mit Österreich von 1919 bei, in dem er sich verpflichtete, Schutzbestimmungen für Minderheiten einzuhalten, doch bereits mit Ende Dezember 1918 wurden aufgrund von slawischen Nationalisierungsbestrebungen deutschsprachige Beamte entlassen, deutsche Schulen in slowenische Institutionen umgewandelt, deutsche Vereine aufgelöst und deren Besitztümer konfisziert, Kultureinrichtungen geschlossen und die slowenische Sprache als alleinige Staatsprache eingeführt.

1921 wurde den deutschsprachigen Gottscheern das Wahlrecht für die Kommunalwahlen entzogen, 1924 die deutschen Ortsnamen verboten, Gottscheer Kinder wurden in slowenische Klassen versetzt, ihre Vornamen slawisiert. 1934 erfolgte die Enteignung der Auersperg‘schen Besitzungen und die damit verbundenen Entlassung von fast allen Gottscheer Arbeitern und Angestellten. Ab 1937 war es Gottscheern nicht mehr möglich, Grundbesitz zu erwerben, da sie als Ausländer galten. Sparguthaben wurden eingefroren und somit war es vielen Gottscheern in Notlagen nicht mehr möglich, Schulden zu begleichen und sie mussten eigenen Grund und Boden an Slowenen verkaufen.

Diese Notlage der Gottscheer Bevölkerung ließ viele Gottscheer auf Hilfe von Deutschland hoffen. Dann kam es zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Am 6. April 1941 begann der Balkanfeldzug, bereits zehn Tage später kapitulierte die Armee des SHS-Staates. Viele Geistliche unter den Gottscheern widersetzten sich den Nationalsozialisten, wie etwa Joseph Eppich, August Schauer oder Josef Kraker.

Das ehemalige Kronland Krain wurde auf Grund eines Abkommens zwischen Hitler und Mussolini auf das Deutsche Reich und Italien aufgeteilt, wobei das Gottscheer Land wie befürchtet an Italien fiel. Mit der Besetzung von Gottschee durch Italien 1941 wurden alle deutschen Aufschriften entfernt.

Damit war klar, dass die Gottscheer in ihrer Heimat nicht mehr erwünscht waren und wurden im Rahmen des sogenannten Gottscheer Umsiedlungsvertrag (der den voll Ersatz des eigenen Vermögens versprach, was allerdings nicht geschah) in das „Ranner Dreieck“ in der Untersteiermark umgesiedelt. Ein Bleiben war kaum mehr möglich, da die Versorgungslage äußerst angespannt und kein Brennholz für den Winter vorbereitet war, da die Gottscheer in den letzten beiden Jahren nichts schlägern durften.

Doch auch in der Untersteiermark gab es für die Gottscheer keine bleibende Heimat. Zwischen 1941 und 1944 kam es mehrfach zu Umzügen, Höfe und Häuser wurden getauscht. Dann kam das Kriegsende, das für die Gottscheer Flucht um Umsiedelungen vorwiegend nach Kärnten bedeutete.

Die AVNOJ-Beschlüsse (eine Reihe von Verfügungen, Erlässen und Bescheiden der zukünftigen staatliche Organisation Jugoslawiens nach Ende der Besatzung durch das Deutsche Reich) vom November 1944 entschieden über die Enteignung und anschließende entschädigungslose Konfiszierung des gesamten deutschen Staats- und Privatvermögens sowie die Aberkennung der Bürgerrechte von Personen deutscher Abstammung.

Vor dem Hintergrund dieser Beschlüsse sowie den Vertreibungen nach Kriegsende versuchten die verbleibenden Gottscheer nach Norden zu fliehen, doch bald waren die einzigen Straßen hoffnungslos überfüllt. Partisanen plünderten die Flüchtlinge aus, sie wurden geschlagen, oft sogar erschossen. Dazu kamen die katastrophalen hygienischen Bedingungen, weshalb die meisten Kleinkinder auf der Flucht starben. Gleichzeitig erhielten die Gottscheer durch die slowenische Bevölkerung Unterstützung mit überlebensnotwendigen Lebensmitteln.

In Österreich und Deutschland fanden sich die Überlebende und Vertriebene in Landsmannschaften zusammen, die vorwiegend soziale Aufgaben erfüllten. Heute erinnern kulturelle Gedenkstätten wie Klagenfurt-Krastowitz, Graz-Maria Trost und der Gottscheer Brunnen im Schwarzwald an ihre Geschichte. Zahlreiche Städte jedoch wurden vollständig niedergebrannt und in den Fünfziger-Jahren wurden noch erhaltene Kirchen, Kapellen und Bildstöcke während des Kommunismus zerstört. Mithilfe der Kärntner Landesregierung, der österreichischen Bundesregierung und des deutschen Innenministeriums wurde ein Kulturhaus im Dorf Krapflern bei Pöllandl geschaffen. Dieses wird von den wenigen noch ansässigen Gottscheern, aber auch von jungen slowenischen Mitbürgern besucht.

Joseph Eppich schrieb in der „Gottscheer Zeitung“ über seinen Kollegen und Priester August Schauer: „Unser Letztes, was immerhin auch kommen möge, werden wir uns nicht nehmen lassen: Väterglaube, Heimat und Muttersprache. Diese Worte im Kalender vom Jahre 1925 verfocht er bis zu seinem Tode, und es schmerzte ihn tief, beobachten zu müssen, daß in letzter Zeit in unserem Volke hierfür da und dort das Verständnis abging.

http://www2.arnes.si/~krsrd1/conference/Speeches/Ferenc_eng.htm

https://web.archive.org/web/20151217095622/http://wwwu.uni-klu.ac.at/hleustik/gottschee/archiv/publikationen/digital/pdf/jh-buch11.pdf

http://www.gottscheer-gedenkstaette.at/

https://drive.google.com/file/d/1c2aA6ZR5Kl6ZpeVhoSlFqRkYod6iBtr0/view

Beitragsbild: Karte „Die Deutsch-Untersteirer und Gottscheer“ – (c) Haus der Heimat/ VLÖE

Bild: Gottscheer Gedenkstätte Graz-Mariatrost

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