Politische High-Level-Treffen vom 23. & 24. März 2026 in Abuja, Nigeria
Delegation: First Step Forum (FSF) – Jost, Heger, Kugler
In Gesprächen mit dem Vizepräsidenten des Parlaments sowie hochrangigen Vertretern des Außenministeriums und des Geheimdienstes, zahlreichen Abgeordneten, mehreren Botschaftern sowie dem Nuntius erörterten wir zentrale Themen wie Religionsfreiheit und Gewalt, die institutionelle Stabilität Nigerias, Sicherheitskooperation, Polizeireform – mit dem Ziel schnellerer Reaktionszeiten und geringerer Straflosigkeit –, wirtschaftliche Partnerschaft sowie Rechtsstaatlichkeit.
1. Religionsfreiheit und Schutz vor Gewalt
Unsere Delegation sprach die prekäre Lage der Christen deutlich und offen an, insbesondere die langsamen Reaktionszeiten von Polizei und Militär sowie die Straflosigkeit nach Übergriffen. Die nigerianische Regierung betonte ihr Ziel einer friedlichen Koexistenz. Der Geheimdienst unterstrich auf Nachfrage eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Straflosigkeit. Zugleich wurde deutlich, dass sowohl strukturelle Defizite als auch mögliches staatliches Versagen bei der Reaktion auf Gewalt eine Rolle spielen. Die durchschnittliche Reaktionszeit der Polizei beträgt etwa 90 Minuten, was maßgeblich auf die zentrale Organisation zurückzuführen ist. Eine Polizeireform ist daher dringend erforderlich und bereits in Arbeit.
2. Parlamentarischer Austausch und Sicherheitsreform
Wir unterstützen ausdrücklich die Pläne zur Dezentralisierung der Polizei. Der Vizepräsident des Parlaments erläuterte Vorhaben, die bislang zentral organisierte Polizei stärker auf die Ebene der Bundesstaaten zu verlagern, um Reaktionszeiten zu verkürzen und die lokale Sicherheit zu erhöhen.
3. Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Industrialisierung
Als zentralen Punkt unserer Gespräche hoben wir hervor, dass Sicherheit die Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung ist („Security is the basis for economic prosperity“) und dass ohne Sicherheit nachhaltige Investitionen nicht möglich sind. Zur Bekämpfung von Migration und Fluchtursachen sprachen wir über einen „Nearshore-Ansatz“ durch Industrialisierung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, um Arbeitsplätze zu schaffen und Gewalt zu reduzieren.
4. Außenpolitische Strategie und Friedensarbeit
Das nigerianische Außenministerium stellte seine 4D-Doktrin vor: Democracy, Development, Demography, Diaspora. Wir wurden eingeladen, Friedensprojekte mitzutragen und politische Trainingsprogramme für nigerianische Entscheidungsträger in Europa zu prüfen.
5. Friedensaufbau und Versöhnung
Nachhaltiger Friedensaufbau bedeutet, Strukturen zu schaffen, die eine Wiederholung von Gewalt verhindern. Dies umfasst insbesondere:
- Versöhnung (Reconciliation)
- Rehabilitation (Rehabilitation)
- Wiederaufbau (Reconstruction)
Ohne diese Maßnahmen entsteht langfristig neuer Groll, der erneut zu Gewalt führen kann.
Zentral ist zudem die Einrichtung von Wahrheits- und Versöhnungskommissionen (Truth and Reconciliation Commissions), um vergangenes Unrecht aufzuarbeiten und gesellschaftliche Heilung zu ermöglichen.















