Tag 1 in Abuja, Nigeria – Thema Versöhnung
21. März 2026
0

Erster Tag in Abuja, der Hauptstadt von Nigeria, mit dem First Step Forum for Religious Freedom and Peaceful Coexistence:

Delegationsleiter Abg. Marc Jost (Schweiz), Premierminister a.D. Eduard Heger und ich trafen uns zum Austausch mit hochrangigen muslimischen und christlichen Religionsführern. Wir diskutierten die größten Herausforderungen und was man gemeinsam am besten dagegen tun könnte.

Die Religionsführer sagten uns:

• In den letzten Jahren haben wir weniger miteinander gesprochen – ihr habt uns jetzt dazu gebracht, diesen wichtigen Dialog wieder aufzunehmen. Wir müssen im Gespräch und im Kontakt bleiben.

• Durch euren Besuch haben wir gesehen, woran wir arbeiten müssen.

• Wir müssen unseren Gemeinschaften beibringen, was Toleranz und Religionsfreiheit bedeuten. Religionsfreiheit ist kein Privileg, sondern ein Recht.

• Wir Religionsführer müssen gemeinsam für Toleranz eintreten. Es geht um unser gemeinsames Erbe in diesem Land, um unsere Kinder, um die Zukunft und unsere Verantwortung für dieses Land sowie unsere Liebe zu den kommenden Generationen.

Zur demografischen Entwicklung:

Wir haben auch darüber gesprochen, dass in Nigeria (noch) sehr viele Kinder geboren werden und in Europa nicht. Ich habe die Religionsführer gefragt, warum. Das waren ihre Antworten:

• Wir lieben Kinder in Nigeria – auch wenn es schwierig ist, sie hier großzuziehen.

• Kinder sind ein Segen, und Kinder sind ein Geschenk! Das ist tief in unserer Kultur und in unserer Religion verwurzelt.

• Es ist eine Ehre, Kinder auf ihre Zukunft vorbereiten zu dürfen.

• Wir haben sehr enge Bindungen zu unseren Kindern und dadurch auch zwischen den Generationen.

• Für ein Kind braucht es ein ganzes Dorf. Bei uns in Nigeria leben wir in Großfamilien. In Europa ist es einerseits sehr privat im kleinen Kreis geworden, andererseits mischt sich der Staat viel stärker ein als bei uns. Wenn Eltern das Gefühl haben, entmündigt zu werden, haben sie weniger Kinder.

• Bei uns sind soziale Anerkennung und Status oft an Elternschaft geknüpft.

• Die Kinder sind in Nigeria gehorsam. Ich verstehe, dass es schwierig ist, Kinder zu haben, wenn diese nur tun, was sie wollen.

• Das Stadtleben ist für Kinder nicht sehr praktisch: Man muss sie beschäftigen, und das Essen ist teuer. Da versteht man, warum man in der Stadt weniger Kinder hat.

Meine Botschaft an die Gruppe:

“Bereits am ersten Tag in Abuja konnte man den Einfluss von China und Russland sehen. Europa sollte in Nigeria präsenter sein. Dazu ist es aber wichtig, dass wir über Wohlstand und Zusammenarbeit sprechen und nicht nur über Probleme. Die Gewaltverbrechen, von denen wir hören – insbesondere die Übergriffe auf Christen –, bereiten uns große Sorge.

Umso wichtiger ist es, dass Religionsführer von muslimischer und christlicher Seite miteinander sprechen und sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.

Veränderung beginnt damit, dass man die Wirklichkeit ausspricht. Dass man gemeinsam die Opfer verteidigt. Dass man gemeinsam die Gewalt bekämpft. Bildung spielt dabei eine große Rolle: Religion darf nicht instrumentalisiert werden. Im Gegenteil – Religion soll alle für das Gute verbinden.

Durch Bildung kann man Toleranz und Gleichberechtigung vermitteln. Einer der Anwesenden sagte heute: „Ich wurde nicht mit Hass im Herzen geboren, aber er wurde mir anerzogen.“ Genau dagegen kann Bildung wirken. Wir dürfen in unseren Religionsgemeinschaften weder Vorurteile noch Intoleranz zulassen, und wir müssen gemeinsam der Gewalt vorbeugen.

Es geht um das, was uns verbindet: die Menschenwürde, das kulturelle Erbe, die Liebe zu den Kindern, die Verantwortung für das Land und den Respekt gegenüber zukünftigen Generationen.

Es ist mir eine Ehre, bei diesen Gesprächen dabei gewesen zu sein und dass unser Besuch sie angestoßen hat. Viele Gedanken kann ich für meine Arbeit – wenn auch auf anderen Ebenen – nach Europa mitnehmen.”

Die Religionsführer einigten sich mit unserer Begleitung im Anschluss an das Gespräch auf ein gemeinsames Statement, das Hoffnung gibt! (Abuja Declaration for Sustainable Peace and Religious Harmony, adopted in Abuja, Nigeria, on March 21, 2026 – siehe unten!)

Ein schönes Gespräch hatte ich danach beim Essen mit einer “Tribal Princess” (“Stammes-Prinzessin”). Sie sagte: “Ich verstehe nicht, warum die Menschen immer mehr wollen. Sie können ja nicht mehr als ein Auto fahren. Sie können nicht in 100 Häusern wohnen. Wenn ihr Teller mit Essen voll ist, warum wollen sie das Essen von ihrem Nachbarn? Sie können ja zehn Mal am Tag essen. Wenn wir immer mehr wollen, immer mehr Geld und immer mehr macht, dann ist es eine Form von Geiz. Dieser Geiz treibt uns an immer mehr und immer verrückter Dinge zu tun, aber was soll das bringen? Ich glaube dass ein Hauptproblem der Wettbewerb unter den Menschen ist. Und das ist alles vollkommen unnötig.”

Communique

Abuja Declaration for Sustainable Peace and Religious Harmony
Adopted in Abuja, Nigeria, on March 21, 2026

Preamble

We, representatives of the Christian and Muslim communities of Nigeria, have convened today in Abuja together with the First Step Forum. In profound concern over the persistent violence in the Middle Belt and the North of our country, yet driven by the shared conviction that peace is a divine mandate, we declare:

  1. Acknowledging the Crisis and its Root Causes
    We acknowledge the unspeakable suffering of communities decimated and displaced by armed conflict, banditry, and religious extremism. We recognize that a lack of security, competition over scarce resources—exacerbated by climate change—and a culture of impunity are undermining our social cohesion and the dignity of every human being.
  2. Our Solemn Commitment As Faith Leaders

As leaders of our respective faiths, we jointly commit to:

Rejecting Instrumentalization: We unequivocally reject all forms of violence committed in the name of God or religion. Faith must never serve as a pretext for political, ethnic, or sectarian aggression.

Early Warning and Mediation:
We will strengthen local interfaith committees to identify communal tensions at an early stage and de-escalate them through dialogue before they turn into violence.

Healing and Reconciliation:
We will foster spaces for forgiveness, trauma healing, and restorative justice within our congregations and communities.

3. Demands to the Government of the Federal Republic of Nigeria

We call upon the Federal Government, the administration, and the security forces:

Equitable Protection for All:
To make the protection of the civilian population the highest priority, regardless of ethnic or religious affiliation, ensuring absolute neutrality of the state.

An End to Impunity:
To ensure the rigorous prosecution and conviction of perpetrators through the rule of law, thereby restoring public trust in state institutions.

Sustainable Land Management:
To implement lasting solutions for farmer-herder conflicts through modern agricultural policies and fair land-use rights. Government at all levels.

4. Appeal to the International Community
We call upon the international partners and the global community to partner the people of Nigeria in their quest for stability:

Protection of the Vulnerable:
To prioritize the protection and support of Internally Displaced Persons (IDPs) in the Middle Belt and the North within all humanitarian and diplomatic frameworks.

Support for Civil Society:
To provide technical and financial assistance not only to state entities but specifically to grassroots civil society and religious peace initiatives.

Holistic Engagement:
To recognize that lasting peace requires a combined effort in security, economic development, and the promotion of religious freedom.

5. The Future of Children In Nigeria
In addition to the core-issues of promoting peaceful co-existence, we offer ourselves to also engage in the proclamation and proper upbringing of Children and ensure a better future for them.

6. Closing Statement
While thanking the FSF for this great initiative, we agreed to make further representation to them to escalate these efforts by putting together an action plan for the next steps in advancing the overall objective of this dialogue which is to foster religious freedom and peaceful co-existence amongst the people of Nigeria.

Peace is not a final destination but a journey that begins together.

Schreibe einen Kommentar

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.