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Bergwerksdammbruch in Brasilien: weitere Katastrophen verhindern!
25. März 2020
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Dom Vicente de Paula Ferreira C.Ss.R., Weihbischof der Erzdiözese Belo Horizonte, und Franziskanerpater Rodrigo Péret OFM, Berater der Kommission für Bergbau und ganzheitliche Ökologie der brasilianischen Bischofskonferenz, besuchten mich im Parlament und berichteten über den entsetzlichen Dammbruch von Brumadinho, bei dem mehr als 270 Menschen starben.

Am 25.1.2019 brach der Rückhaltedamm einer Eisenerzmine des Bergbaukonzerns Vale, eines der drei größten Bergbauunternehmen der Welt, im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Das Ökosystem des Paraopeba-Flusses, in dessen Flusslauf sich der Bergwerksschlamm ergoss, wurde weitgehend zerstört. Dom Vincente berichtete, wie sich die örtliche Kirche von Beginn an für die betroffene Bevölkerung einsetzte. Es geht ihm jedoch nicht nur um Soforthilfe für die notleidende Bevölkerung, sondern auch um Gerechtigkeit für die Geschädigten. Das größte Problem für die lokale Bevölkerung ist, dass aufgrund einer Vereinbarung mit den zuständigen Behörden, die Betroffenen individuell und direkt mit der Firma, die ihnen Schaden zugefügt hat, über Entschädigungen verhandeln müssen.

Wichtig ist aber auch, aus dem Desaster von Brumadinho zu lernen: Erst Ende 2015 gab es einen anderen Dammbruch, durch den ein Fluss so verschmutzt wurde, dass die Wasserversorgung für Hundertausende von Menschen zusammenbrach.[1]

Bei mehr als 200 Dämmen von Tailingsbecken in Brasilien wurde offiziell ein hohes Gefährdungspotential festgestellt aufgrund der Anzahl betroffener Menschen und im Blick auf gefährdete Ökosysteme im Katastrophenfall.[2] Pater Rodrigo kritisierte, dass in den Bergbauregionen das über 500 Jahre alte System des Kolonialismus weiter intakt ist: „Wenn ein Vorkommen von Bodenschätzen entdeckt wird, muss alles andere weichen und wird zur Not geopfert. Selbst wenn dort indigene Völker schon seit Generationen leben oder eine uralte Wallfahrtskirche steht, müssen sie weichen.“ Gewinne bleiben nicht in der Region, die Schäden aber müssen von der lokalen Bevölkerung und der Gesellschaft getragen werden.

Nur wenige Monate vor dem Unglück überprüfte das deutsche Unternehmen TÜV Süd den Staudamm und erklärte ihn für stabil, obwohl massive Sicherheitsbedenken bestanden. Manche meinen, dass massiver Druck von Seiten des Bergbaukonzerns gemacht wurde. Das sieht auch Susanne Friess vom kirchlichen Hilfswerk Misereor und Expertin für den Energie- und Rohstoffsektor so.

Bischof Ferreira spricht in von einer „globalen Mitverantwortung“. Multinationale Bergbaukonzerne sollten stärker kontrolliert werden und auch die Abnehmer der Mineralien müssen mehr Verantwortung übernehmen. „Wir alle sind Brüder und Schwestern, wir leben in einem gemeinsamen Haus.“

[1] https://agenciabrasil.ebc.com.br/node/985331

[2] https://www.bbc.co.uk/news/resources/idt-sh/brazil_dam_disaster

[3] https://www.tagesschau.de/investigativ/monitor/dammbruch-brasilien-tuev-sued-anzeige-101.html

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