Den Patka der Sikh in Schulen weiterhin zulassen!
30. Januar 2019
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Der größte Sikh-Tempel Österreichs liegt in der Donaustadt. Kürzlich habe ich ihn besucht und viel über die mittlerweile fünftgrößte Religion im asiatischen Raum gelernt.

Insgesamt leben ca. 10.000 Sikh im Land. Laut religiöser Vorschrift müssen die Haare eines Sikh stets bedeckt sein. Vom geplanten Kopftuchverbot in der Volksschule könnten dem Wortlaut nach nun auch die Sikh betroffen sein. Verständlicherweise sind sie deshalb in großer Sorge.

Seit Winston Churchill dürfen die Sikh in England sogar ohne Helm Motorrad fahren. Ebenso viel Verständnis soll Österreich den Sikh, die gut integriert und produktive Staatsbürger sind, entgegenbringen!

Folgende Unterschiede zwischen dem Turban bzw. dem Patka – so nennt man die Kopfbedeckung bei Kindern – und dem Kopftuch bei muslimischen Mädchen sind anzuführen:

  • Für die Sikh ist das Tragen des Turbans bzw. des Patkas eine strenge Vorschrift. Bei muslimischen noch nicht geschlechtsreifen Mädchen ist das Kopftuch nicht dogmatisch vorgeschrieben. In der Geschichte haben Sikhs schon viel getan um ihren Turban tragen zu dürfen. So sind sie in der englischen Armee ohne Helm in den Krieg gezogen – in Kauf nehmend, dass der Staat im Todesfall durch Kopfverletzung die Versorgung der Hinterbliebenen nicht übernehmen würde.
  • Vom Gebot, die Haare zu bedecken, sind nur die Buben, nicht die Mädchen betroffen. Eine Frauen-abwertende oder -unterdrückende Haltung, oder die Bestrebung, ein Geschlecht vom Begehren des anderen zu schützen, ist hier nicht gegeben.
  • Sikhs schneiden sich nie die Haare. Wenn nun die Buben in Schulen keine Kopfbedeckung tragen, hätten sie hüftlange Haare. Das wäre sowohl unpraktisch als auch unangenehm für die Buben. Die Kopfbedeckung ist eine Frage der Praktikabilität und Hygiene.
  • Die theologische Bedeutung des Turbans ist die schützende Hand Gottes auf dem Haupt des Trägers. Es hat damit nichts mit Politik, Dominanz oder der Geschlechterfrage zu tun.
  • Die historische Bedeutung des Turbans bzw. des Patkas ist im Gegensatz zum Kopftuch die eines Freiheits- und Gleichheitszeichens: Nach der Landeinnahme verboten die Mugulen den Turban für all jene, die nicht den Eliten angehörten. Die Sikh setzten sich darüber hinweg, im Sinne der Gleichheit und Freiheit aller, auch der Ärmeren!
  • Das österreichische Bundesheer sieht für Sikh keine Helmpflicht vor. Die Logik dieser Ausnahme kann auch für den Turban bzw. den Patka in Schulen angewandt werden.
  • Die Kippa ist vom Verbot nicht betroffen, da es sich dabei nicht um eine Verhüllung handelt. Auch hier könnte eine Parallele gezogen werden, denn der Patka bindet nur das Haar zusammen, verhüllt aber weder Gesicht noch Ohren.

Ich plädiere an die österreichische Regierung und werde mich gemeinsam mit meinen Kollegen Norbert Sieber und Nico Marchetti engagiert im Parlament dafür einsetzen, dass die Sikh weiterhin die Patka in österreichischen Schulen tragen können.

#religionsfreiheit #sieber #marchetti #sikh #turban #patka #donaustadt #forb

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