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Konferenz gegen Christenverfolgung in Wien
27. November 2016
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„Wir hören Euren Schrei,“ wollen diese Teilnehmer unserer Konferenz gegen Christenverfolgung mit diesem Bild sagen. Politiker und Leiter von NGOs aus 20 Ländern halten Bilder von syrischen Kindern hoch.

Die Konferenz der Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (www.intoleranceagainstChristians.eu) fand in Zusammenarbeit mit Open Doors, CSI, Kirche in Not, der Plattform Christdemokratie und der LAbg. Dr Gudrun Kugler am 26. Nov. 2016 im Erzbischöflichen Palais statt.

„These are not numbers but people“ … „Not to act is to act. Not to speak is to speak,“ says Jan Figel, EU Special Envoy for Religious Freedom, „Freedom of Religion was too long an orphan. It must now become an adopted child.“ … „The allies of evil are indifference, ignorance, fear. The allies of good are humanity, justice, solidarity.“
„The XXth century was the century of genocides. Let us make sure the XXIst century will not be,“ says Jan Figel, EU Special Envoy for Religious Freedom.

Also present: Lars Adaktusson, Member of European Parliament, the man behind the EP resolution recognizing the persecution of Christians and other minorities as #genocide. #OIDAC #FORB #humanrights

Hier geht’s zur Abschlussrede von Dr. Gudrun Kugler, in der sie die Menschen guten Willens motiviert, sich zu engagieren, um die Situation in Europa und der Welt zu verbessern: https://youtu.be/mJRihM9OzDk

Sehr informativ ist die Grußbotschaft von Weihbischof Stephan Turnovszky, (26.11.2016):

„In den meisten Teilen der Welt erleiden Christen aufgrund ihres Glaubens zumindest Intoleranz und Diskriminierung in vielen sogar schwere Verfolgung und Folter. In Syrien und im Irak wird der systematische Massenmord an Christen von vielen internationalen Gremien als „Genozid“ eingestuft. In Europa geraten Christen durch Hassverbrechen, Vandalismus an religiösen Stätten, sowie staatliche Restriktionen zunehmend unter Beschuss.
Nie war also die Lage gläubiger Christen weltweit so prekär wie heute. Im Blick auf die globale Kirchengeschichte zählen die Jahre 2015 und 2016 zu den schlimmsten „Momenten“ überhaupt. Papst Franziskus hat heuer bereits mehrmals „neue Arten der Christenverfolgung“ kritisiert. Dazu gehöre etwa der „kulturelle Ausschluss“ von Christen aus der Gesellschaft: Am 12. April sagte der Papst bei der Morgenmesse: „Ich denke hierbei an jene Verfolgungen, bei denen ein Mensch nicht wegen seiner Bezeugung des Namens Christi verfolgt wird, sondern weil er die Werte des Gottessohnes vertreten will.“ Franziskus bezeichnete dieses Phänomen mit ironischem Unterton als „höfliche“ Verfolgung. Diese trete oft „verkleidet als Kultur, Modernität oder Fortschritt“ auf, und es werde nur wenig darüber gesprochen. Diese Art der Verfolgung raube aber dem Menschen seine Freiheit – „auch diejenige der Ablehnung aus Gewissensgründen“.
Natürlich gehört dies – könnte man sagen – zur Nachfolge Christi. Und angesichts der existentiellen Bedrohung von Christen in vielen Ländern der Welt ist die Situation in Europa ohne jedes Selbstmitleid zu sehen – und auch völlig anders zu bewerten. Aber schon das hartnäckige und langjährige Schweigen westlicher Eliten zur Verfolgung von Christen auf anderen Kontinenten ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht im Lot ist.
Während der Umgang mit Christen in Europa nicht bis zum Grad echter Verfolgung reicht, erkennen wir erschreckende Trends von Marginalisierung und „politisch-medialer Repressalien“: es gibt zunehmend Drohungen gegen Persönlichkeiten und Organisationen, die in der Öffentlichkeit für das umfassende Lebensrecht und die Menschenwürde eintreten. Gewalttätige Gegendemonstrationen bei Pro Life-Veranstaltungen sind in vielen Ländern „normal“ und werden medial kaum kritisiert. Besonders im Gesundheitswesen ist der Gewissensvorbehalt bei unethischen Handlungen ein großes Thema: Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern und auch Apothekerinnen müssen oft wählen: zwischen ihrer Karriere und ihren religiösen Überzeugungen.
Im Blick auf Europa habe ich den Eindruck, dass das Konzept der Religionsfreiheit zusehends in sinnentstellender Weise umgedeutet wird: Was ursprünglich als Freiheit für die Religionsausübung eine große Errungenschaft für das Leben entsprechend der Gewissensüberzeugung darstellte, wird mehr und mehr zur Freiheit von Religion im Sinn von Zwang zur Religionslosigkeit zumindest im öffentlichen Raum verdreht. Das ist im Blick auf alle Religionen höchst problematisch, trifft aber in Europa in erster Linie die Mehrheitsreligion der Christen.
Dass Europa mehr und mehr aufhört, Menschen aufgrund ihrer religiösen Überzeugung zu schützen, trifft die meist bedrohten Asylsuchenden besonders hart: Es sind Christen, die vor Verfolgung und Genozid flüchten. Nachdem sie ihr Leben aufs Spiel setzten um nach Europa zu gelangen, schlägt ihnen hier oft erneut Gewalt, Bedrohung und Diskriminierung aufgrund ihres christl. Glaubens entgegen, der von den staatlichen Autoritäten gerne übersehen wird.
Vor diesem Hintergrund lädt das „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians“ gemeinsam mit CSI-Österreich, Kirche in Not und Open Doors zur Konferenz mit internationalen Referenten ein. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie gekommen sind um genau hinzuschauen, dieses drängende Thema aufgreifen und mit wissenschaftlichem Ernst und praktischem Engagement angehen.“ – Weihbischof Stephan Turnovszky

Weitere Informationen: www.intoleranceagainstchristians.eu

News coverage:
https://www.kathpress.at/goto/meldung/1444877/eu-sondergesandter-fordert-mehr-einsatz-fuer-religionsfreiheit
‪http://religion.orf.at/stories/2810998/‪‬
http://kath.net/news/57633

Grußwort von Kardinal Schönborn:

„Lieber EU Sonderbotschafter Jan Figel, Staatssekretär Török und L.Abg. Gudrun Kugler, liebe Teilnehmer!
Zu Beginn des Advents freut es mich besonders, dass Sie sich nicht von kurzlebigen oder unwesentlichen Themen ablenken lassen und den Fokus auf eine große Frage unserer Gegenwart lenken.
Es ist wesentlich, dass wir uns in Europa des so drängenden, ja dramatischen Themas der Religionsfreiheit und insbesondere der weltweit dramatisch sichtbaren Verfolgung unserer christlichen Geschwister annehmen.
„Wir erleben heute eine Christenverfolgung unvorstellbaren Ausmaßes“, wurde die Initiatorin dieser Konferenz gestern in der Austria Presse Agentur zitiert. Und leider ist diese Aussage richtig. Die vielfältige Bedrohungslage der Gläubigen fordert die internationale Politik und auch die Kirchen gemeinsam heraus. Religionsfreiheit bedeutet gegenseitigen Respekt zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen wie auch im Verhältnis zu nicht Glaubenden. Aber die gerade die Verfolgung von religiösen Minderheiten muss auch vorrangiges Ziel internationaler Beziehungen werden.

Ihre Konferenz will die vielfältigen Aspekte von Verfolgung und Diskriminierung von Christen aufzeigen und konkrete Antworten vorschlagen. Dafür erbitte ich Gottes Segen und wünsche Ihnen einen langen Atem und für heute gutes Gelingen.“

Ihr +Christoph Kardinal Schönborn

KATHPRESS: Österreich/Religion/Politik/Religionsfreiheit/Christentum/Kugler

Expertin: Europa schränkt Rechte von Christen immer mehr ein

utl: Juristin und VP-Mandatarin Kugler: Fehlendes Entgegenkommen und „problematische Gesetze“ erschweren Zusammenleben – Politiker sollten Christenverfolgung in anderen Ländern mehr ansprechen=

Wien, 28.11.2016 (KAP) Eine ständige Zunahme der Intoleranz gegenüber Christen und rechtlicher Einschränkung der freien Religionsausübung in Europa beobachtet Gudrun Kugler, die Gründerin der „Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa“. Besonders die Gewissensfreiheit, Elternrechte, die Versammlungs- und Vereinsfreiheit sowie die Vertragsfreiheit seien davon betroffen, so die Juristin und Wiener VP-Landtagsabgeordnete im Interview mit „Kathpress“. „Man denkt: Ihr Christen wart ohnehin über Jahrhunderte so vorherrschend und habt alle anderen unterdrückt, deshalb wollen wir euch nicht entgegenkommen.“ Bleibe es bei diesem Stand, werde dadurch das Zusammenleben schwierig, warnte die Expertin.

In 15 EU-Ländern gibt es „problematische Gesetze“ hinsichtlich der Diskriminierung von Christen, geht aus einer aktuellen Studie der Beobachtungsstelle hervor. Die OSZE habe diese Ergebnisse aufgegriffen und an die betreffenden Staaten appelliert, ihre Gesetzgebung nochmals zu überprüfen und Verbesserungen vorzunehmen, sagte Kugler. In etlichen christlichen Gruppen sei das Bewusstsein dafür hingegen noch nicht ausgeprägt. Probleme sollten jedoch erkannt und der Dialog darüber aufrecht erhalten werden, weshalb „Denk- und Aufklärungsarbeit“ nötig sei.

Als Ziel schwebt Kugler ein von „reifem Säkularismus“ geprägtes Rechtsprinzip vor, „bei dem jeder so leben darf, wie er möchte, und in dem jeder Platz hat – auch Christen“. Eine „positive Entwicklung“ sei immerhin in Gange. „Vor zehn Jahren hätte man viele der Themen gar nicht ansprechen können. Heute sind sie ständig in den parlamentarischen Versammlungen des Europarates und der OSZE präsent“, so die Aktivistin. Selbst etliche nicht-christliche Politiker hätten verstanden, worum es geht. „Sie sagen: Es ist nicht richtig, wenn wir den Christen das Leben schwer machen und sie ausschließen.“

Um der Christenverfolgung in anderen Kontinenten entgegenzuwirken, sollten Politiker in Europa ihren Einfluss erkennen und danach handeln, drängte die VP-Mandatarin. Schon heute würden etwa vereinzelte Politiker aus Europa bei Reisen in Länder, in denen Christen ungerechtfertigt im Gefängnis sind, diese dort besuchen. „Das ist ein wichtiges politisches Statement“, so Kugler. Auch Briefe an zuständige Politiker oder Präsidenten, in denen die Sorge über die Situation einzelner Gefangener ausgedrückt wird, seien ein derartiges Signal.

Besondere Aufmerksamkeit sei für den Völkermord notwendig, der in Syrien und dem Irak vom islamistischen Gruppen an den Christen betrieben werde, sagte die Juristin. Europa habe bei den Genoziden der Geschichte „immer zu lange zugesehen“ und müsse nun alles Mögliche tun, damit der Nahost-Konflikt und der damit verbundene Völkermord beendet werden. Kugler: „Auch bei den Handelsbeziehungen und in der Entwicklungszusammenarbeit sollten wir stärker durchgreifen und sagen: Wir arbeiten gerne mit euch, knüpfen das aber an bestimmte Konditionen. Das geschieht in Europa derzeit viel zu wenig.“

Am ehesten könne der Völkermord an Christen beendet werden, wenn der UN-Sicherheitsrat ihn als solchen anerkenne und damit auch die internationale Strafgerichtsbarkeit tätig werden könne, legte Kugler dar. Dafür sei jedoch noch mehr politischer Druck erforderlich. Die VP-Mandatarin führte hier auch die auf ihre Initiative geschehene Aufnahme der Völkermord-Resolution des EU-Parlaments durch den Wiener Landtag im Juni an; eine ähnliche Erklärung sei im österreichischen Parlament in Vorbereitung. Kugler: „Je mehr Parlamente dies tun, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch der UN-Sicherheitsrat durchringt.“

Kugler organisierte am Wochenende eine hochrangige Tagung in Wien über Religionsfreiheit und Christenverfolgung. Redner der Veranstaltung im Erzbischöflichen Palais waren u.a. der EU-Sonderbeauftragte für Religionsfreiheit, Jan Figel, der EU-Parlamentarier Lars Adaktusson, Ungarns Staatssekretär für die Unterstützung verfolgter Christen, Tamas Török, und der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky.
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