Kugler fordert Hospizausbau und Maßnahmen gegen Zwangsprostitution
11. Dezember 2015
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Meine Rede am Nachmittag vom 11.12.:
„Zwei wichtige Anliegen möchte ich zur Budgetkritik der ÖVP noch zu den Gedanken meiner Kollegin Ingrid Korosec anfügen. Zwei Schlüsselthemen, die uns im Bereich Gesundheit schmerzlich fehlen.
1) Ein Aspekt der Frauengesundheit: Situation der Menschenhandelsopfer für sexuelle Ausbeutung – unseren Antrag dazu haben wir gestern einbracht, heute wird darüber abgestimmt.
Eine befreundete Sozialarbeiterin sprach vor kurzem mit zwei Prostituierten in Wien. Die beiden Frauen hatten eine Frage. Sie wollten wissen, in welcher Stadt sie sich befanden.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wien ist bekanntermaßen eine Ziel- und eine Transitstadt für Menschenhandel. Die meisten Opfer sind Frauen und Mädchen, die sexuell ausgebeutet werden. Die meisten stammen aus Osteuropa, insbesondere aus Bosnien und Herzegovina, Serbien, Rumänien, Bulgarien. Vielen Opfern wird ein Job in Wien versprochen. Wenn sie dann hier sind, rasselt die Falltür ins Schloss. Auch die Asylwerber, gerade die minderjährigen Unbegleiteten, sind in Gefahr.
In sogenannten „Breaking Houses“ werden die Mädchen so lange geschlagen und vergewaltigt, bis sie innerlich aufgeben. Wer in Wien kein Geld mehr bringt, wird in eine andere Stadt verkauft.
Der Bericht „Trafficking in Human Persons“ des US-State Departments für 2015 attestiert Österreich, dass wir das Problem verstanden haben und auf einem guten Weg sind. Er sagt aber weiter, dass wir noch viel mehr tun könnten.
Dafür sind insbesondere folgende Punkte im Bereich Frauengesundheit Wien-relevant:
• Start einer Kampagne um Nutzern des Prostitutionsangebots für das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution zu sensibilisieren: Es sind oft die Freier, die schlussendlich die Frauen befreien!
• ein spezielles Unterstützungsprogramm, um Kinderprostitution zu verhindern.
• Verstärkung der Anstrengungen um Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution unter Migrantinnen und Migranten sowie Asylsuchenden zu identifizieren, da insbesondere bei den Beschäftigten in den Gesundheitseinrichtungen eine diesbezügliche Sensibilisierung noch nicht in ausreichendem Maße erfolgt ist.

2) Ein zweites Anliegen ist der Ausbau der Hospizbetreuung:
Im Bereich Palliativmedizin ist Wien bereits recht gut aufgestellt. Aber im Hospizbereich ist Wien Schlusslicht:
– Wir brauchen eine Landeskoordinationsstelle für Hospiz (alle anderen Bundesländer haben das!)
– Es gibt kein stationäres Hospiz in Wien – Versorgungsbaustein fehlt in Wien! Es müssen entweder stationäre Palliativstationen oder Hospizbetten in Einrichtungen, die es bereits gibt, geschaffen werden.
– Ehrenamtliche mobile Hospizteams haben keine öffentliche Unterstützung: bräuchten aber die Finanzierung von Koordinationspersonen und der Schulungen wie in anderen Bundesländern.
– In Wien gibt es ein Tageshospiz, das aber nicht öffentlich unterstützt wird und deshalb nur am Dienstag und am Donnerstag geöffnet ist! Das ist wichtig für Betreuung und Begleitung aber zu Hause bleiben.
– Palliativ-Konsiliardienste braucht es in allen Spitälern nach den ÖBIG – Kriterien (wieviele Leute für Bev.Einheiten, etc) – in Wien ist die Entscheidung über den Konsiliardienst eine optionale für den Direktor!
Warum wollen wir in Hospizwesen investieren? Kostet Geld – und was bringts?
Es gibt einen Allparteienkonsens, dass wir alles tun sollen, um das Lebensende so annehmbar wie möglich gestalten.
An der Hand eines Menschen, nicht durch die Hand des Menschen zu sterben. Der Grund dafür ist die Menschenwürde:
– gestern hat ein grüner Kollege die Menschenrechtscharta zitiert: Der Mensch ist mit Vernunft und Gewissen begabt.
– Der tschechische Philosoph Jan Patocka starb drei Wochen nach einem Verhör durch die Kommunisten an seinen Verletztungen. Er begründete die Menschenwürde so: „weil sich dem Menschen die Wirklichkeit erschließt.“
– Die Phänomenologen sagen: Weil der Mensch Innerlichkeit besitzt und diese erfassen und kommunizieren kann. Und dass der Mensch sich selbst besitzen und verschenken kann – also in der Liebe, wie auch Herbert Grönemeyer so schön besingt.
Darum stellen wir den Antrag, dass Wien die Versorgung von unheilbar Kranken und Sterbenden aller Altersschichten in ihrer gewohnten Umgebung durch ein tragfähiges Netz an Unterstützungsmöglichkeiten sicherstellt und dabei auch den Angehörigen bei der Bewältigung der komplexen Betreuungssituation mit Entlastungsmaßnahmen hilft.

Dies sind zwei Beispiele, von Anliegen, die im Budget und der Politik der Stadt Wien mehr Aufmerksamkeit verdienen. Darum können wir dem Budget nicht zustimmen.

Aus aktuellem Anlass – aufgrund der Debatte um die Ampelpärchen – bringe ich nun noch einen Antrag ein – ein Antrag auf keine weiteren linksideologisch motivierten Erziehungsmaßnahmen im Straßenverkehr!

Ich habe aber noch ein Ceterum Censeo für sie! Als Bürgerin und Mutter kann ich einem Budget nicht zustimmen, das meine Enkelkinder bezahlen müssen.

Link zur Pressemeldung: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151211_OTS0217/vp-kugler-bei-der-hospizversorgung-ist-wien-schlusslicht

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2 comments

  1. „Als Bürgerin und Mutter kann ich einem Budget nicht zustimmen, das meine Enkelkinder bezahlen müssen.“

    Ein sehr guter Satz, der eigentlich alles aussagt, was zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen ist. Bitte oft wiederholen!

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  2. Bernhard Rögner

    Sehr gut Gudrun!

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