schild_oevpwien_220x106
ÖVP lehnt Förderung der HOSI ab. Hier ein paar Gründe.
1. Februar 2016
2

Die ÖVP hat einer Förderung der HOSI nicht zugestimmt. Dort ist man wütend. Die HOSI-Pressemeldung dazu finde ich unhöflich und entbehrlich (siehe unten). Warum hat die ÖVP die Förderung der Initiative abgelehnt?

Zur Erklärung hier ein paar Fakten und Zitate aus Presseaussendungen der HOSI Wien (chronologisch geordnet):
• „16 Jahre ÖVP-Mitregierung sind genug!“ (2002)
• „ÖVP entlarvt sich immer mehr als faschistoid“ (2005)
• „ÖVP vertritt nationalsozialistisches Gedankengut“ (2005)
• „Wie ewiggestrig die ÖVP in der Tat immer noch ist… Es ist eine Schande für dieses Land, dass auch heute noch geistige Nachfahren der braunen Nazi-Schergen wie Tancsits im Parlament sitzen!“
• ÖVP-Parlamentsklub klagt HOSI erfolgreich, diese muss die Aussage, ÖVP-Abgeordneter Walter Tancsits sei ein geistiger Nachfahre der braunen Nazi-Schergen und vertrete nationalsozialistisches Gedankengut, als unwahr widerrufen (2005)
• „HOSI Wien fordert ÖVP dringend auf, Kugler-Lang von ihrer KandidatInnenliste zu nehmen.“ (2005)
• HOSI ruft auf zum „Beten gegen die ÖVP am Freitag im Stephansdom: ‚wir wollen jedenfalls nichts unversucht lassen, um die ÖVP in Wien zu schwächen, und rufen daher alle Lesben und Schwulen und überhaupt alle Menschen guten Willens zum gemeinsamen Gebet gegen die ÖVP auf’“ (2005)
• „Russisch-orthodoxe Kirche – kriminelle Organisation im Sinne des § 278a StGB“? HOSI Wien fordert Überprüfung durch Verfassungsschutz (10.10.2012)
• „…Unterstützung erhält die Initiative Religion ist Privatsache auch von der „Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien“. … Ein „Entweder-Oder“-Modell, das derzeit auch im Kern des Schulversuchs Ethikunterricht zu finden ist, lehnt Högl jedoch strikt ab, da dieses es Religionsgemeinschaften ermöglicht, sich „in Augenhöhe gegenüber dem Staat zu positionieren und zwar auch dann, wenn sie traditionell Menschenhass und die Ausgrenzung Andersdenkender gepredigt und praktiziert haben“.
• HOSI Wien: Russisch-orthodoxer Kirche in Österreich muss staatliche Anerkennung entzogen werden! (2012)

Die HOSI arbeitet stark politisch und setzt sich u.a. für verstärkte Antidiskriminierungsgesetze oder Adoptionsmöglichkeiten von gleichgeschlechtlichen Paaren ein. Sie macht nach eigenen Angaben auch Lobbying bei Europarat, OSZE, EU und UNO. Auf ihrer Webseite zählt sie die zahlreichen Gesetze auf, die sie bereits erkämpft hat. Sie rühmt sich außerdem einer „internationale Kampagne gegen die Wahl Walter Schwimmers (ÖVP) zum Generalsekretär des Europarats (1998/99) und die kompromisslose Beteiligung am Widerstand gegen Blau-Schwarz.

OTS0114 5 II 0480 HOI0001 Fr, 29.Jän 2016
Gesellschaft/Homosexualität/Parteien
ÖVP Wien stimmt gegen Subvention an HOSI Wien =

Wien (OTS) – „Mit einiger Verwunderung haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Wiener ÖVP ihre bisherige Haltung geändert hat und gestern im Gemeinderat – gemeinsam mit der FPÖ – gegen die Zuerkennung einer Förderung an die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien gestimmt hat“, erklärt Obmann Christian Högl.
„Dies hat uns insofern überrascht, als die Bedeutung und die Qualität unserer Arbeit ja im letzten Jahr nicht abgenommen haben – eher im Gegenteil: Die Inanspruchnahme unserer Coming-out-Arbeit und der Besuch unserer Jugendgruppe werden immer intensiver und die Vorträge unseres Schulbesuchsprojekts queerconnexion immer zahlreicher. Und auch sonst werden unsere Aktivitäten und Angebote, nicht zuletzt aufgrund der im Vorjahr erfolgten räumlichen Erweiterung unseres Vereinslokals Gugg, immer umfangreicher und professioneller.“
Besonders befremdlich erscheinen in diesem Zusammenhang die Aussagen von ÖVP-Gemeinderat Manfred Juraczka, der zwar eine Subvention für Homosexuelle als „unterstützenswert“ bezeichnete, insbesondere für die Coming-out-Arbeit, aber dennoch gegen die Förderung stimmte und erklärte, er wünsche sich ein Mindestmaß an „Niveau und Respekt von jemandem, der öffentliche Gelder erhält“. „Diesen Vorwurf“, so Högl weiter, „können wir überhaupt nicht nachvollziehen. Immerhin äußerte die jetzige ÖVP-Gemeinderätin Sabine Schwarz in dieser Hinsicht nicht die leiseste Kritik, als sie vorigen September im Wahlkampf an einer Podiumsdiskussion mit VertreterInnen anderer wahlwerbender Parteien im Gugg teilnahm. Aber vielleicht spielt Juraczka auf unsere zehn Jahre alte Kritik an der Kandidatur von Gudrun Kugler für die ÖVP Wien bei den Gemeinderatswahlen 2005 an? Das wäre indes sehr nachtragend!“
Arroganz gegenüber zivilgesellschaftlichem Engagement
„Offenkundig ist das gestrige Abstimmungsverhalten ein weiteres Indiz dafür, dass die ÖVP Wien nach den herben Verlusten bei den Wiener Landtagswahlen im Oktober – sie stürzte auf einen historischen Tiefstand unter zehn Prozent und damit in die völlige politische Bedeutungslosigkeit ab – unter ihrem neuen Landesobmann Gernot Blümel jetzt das Heil weit rechts der Mitte in der Nähe der FPÖ sucht“, mutmaßt Högl. „Die vordergründige Scharfmacherei à la Reinhold Lopatka und die sektoiden Anwandlungen einer Gudrun Kugler, die es diesmal endlich in den Gemeinderat geschafft hat, werden die Landespartei in der Wählergunst aber auch nicht wieder nach vorne bringen!“
„Wenn etwas niveaulos ist, dann die Einstellung der ÖVP, mit einer öffentlichen Förderung könne sich eine bestimmte Partei politisches Wohlverhalten erkaufen. Und wenn etwas absolut respektlos ist, dann ihre arrogante Haltung gegenüber unserer Arbeit. – Die HOSI Wien ist eine beispielhafte NGO, in der dutzende AktivistInnen jedes Jahr tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten und seit über 35 Jahren vorbildliches zivilgesellschaftliches Engagement unter Beweis stellen und für eine bessere Gesellschaft kämpfen. Und sicherlich haben wir durch unsere Angebote auch schon den einen oder anderen Selbstmord junger Lesben und Schwuler verhindert“, so Högl abschließend. „Insofern ist es uns aber ein großer Trost, dass es zumindest in Wien auf die Stimmen der ÖVP nicht ankommt.“ Die Förderung an die HOSI Wien wurde mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und NEOS beschlossen.

Diesen Beitrag teilen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter

Hinterlasse eine Antwort


*

2 comments

  1. barbara fürlinger

    Nun bin ich kein Fan der HOSI, aber deren Pressemitteilung fnde ich nicht „unhöflich“. Ansichtssache?! „Entbehrlich“ oder nicht – eine Reaktion ist nur natürlich. Es lebe die freie Meinungsäußerung (im gewissen Rahmen) und er Dialog auf Augenhöhe (schön wär’s). Gottes Segen! B.

    Antworten Edit
  2. Gratuliere zu Ihrer Stellungnahme. Es würde mich freuen, wenn Sie sich für höhere Positionen einbringen würden – das Land hat es bitter nötig.
    Ich bin freiheitlicher GEMEINDEVERTRETER LISTE DR SCHNELL, in Oberndorf/Salzburg

    Antworten Edit