Verbesserung der Betriebsabläufe in den KAV-Spitälern
29. Juni 2017
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Die Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft (WPPA) gibt in ihren jährlichen Tätigkeitsberichten eine Fülle von Empfehlungen zur Verbesserung der Abläufe in den städtischen Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) ab, doch die Wiener Landesregierung setzt diese Empfehlungen entweder gar nicht oder nur sehr zögerlich um.

Es ist daher notwendig, dass Probleme wie etwa die Gangbetten sowie die langen Wartezeiten auf planbare Operationen rasch und nachhaltig gelöst werden.

1.) Abschaffung der Gangbetten in städtischen Spitälern

Sowohl in den Wintermonaten (Grippezeit) als auch in den Sommermonaten (Hitzewelle) werden in den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) aufgrund mangelhafter Organisation immer wieder Patientinnen und Patienten in Gangbetten untergebracht. Dieser Zustand ist für die Patientinnen und Patienten unzumutbar, da einerseits die Intimsphäre der Betroffenen missachtet wird und andererseits der Genesungsverlauf verzögert wird.

Als Reaktion auf einen Berichts des Kontrollamts aus dem Jahr 2006 (!) wurden sowohl vom KAV als auch von der zuständigen Stadträtin mehrfach Reformen angekündigt. KAV Generaldirektor Wilhelm Marhold versprach, dass es „bis 2009 keine Gangbetten mehr in Spitälern geben wird“ (Presse, 23. Februar 2006), Stadträtin Sonja Wehsely erklärte wiederum, dass „der Auftrag an die KAV-Spitäler ergangen ist, durch geeignete Managementmaßnahmen auf diese Situation zu reagieren und entsprechende Lenkungsmaßnahmen einzusetzen“ (Anfragebeantwortung vom 23. Mai 2014).

Trotzdem sind die Gangbetten in den KAV Spitälern in Wien weiterhin traurige Realität und finden sich auch im aktuellen Tätigkeitsbericht der WPPA. Aufgrund massiver Vorkommnisse hat am 8. Jänner 2017 auch die Volksanwaltschaft ein Prüfverfahren eingeleitet. Volksanwalt Günther Kräuter vermutet laut APA, dass neben der hohen Kapazitätsauslastung aufgrund der Grippewelle auch strukturelle Probleme die „unerträgliche Situation“ verursachen.

Das derzeit verwendete Bettenmanagementsystem des KAV ist offensichtlich nicht geeignet, das Problem der Gangbetten zu lösen. Es wird Zeit, endlich die Empfehlungen des Kontrollamts (Stadtrechnungshofs) umzusetzen, insbesondere das Qualitätsmanagement zu evaluieren, Finanzmittel wirtschaftlicher einzusetzen, Strukturen klarer zu definieren und letztlich einen umfassenden Gesundheitsplan vorzulegen.

2.) Verkürzung der Wartezeiten bei planbaren Operationen

In Wien lagen Ende Mai 2017 die durchschnittlichen Wartezeiten für Hüftoperationen laut Angaben des KAV bei 5 Monaten (Orthopädisches Krankenhaus Gersthof, Donauspital) und bei Knieoperationen ebenfalls bei 5 bis 6 Monaten (Orthopädisches Krankenhaus Gersthof, Donauspital), in Einzelfällen berichten Patientinnen und Patienten auch von noch längeren Wartezeiten.
Viele Menschen nehmen daher immer wieder immense Kosten auf sich, um über Privatversicherungen oder als Selbstzahler rascher einen OP-Termin bzw. eine effektive Schmerztherapie zu bekommen, während Kassenpatienteninnen und -patienten mit geringem Einkommen dieser „Umweg“ versperrt bleibt.

Die gefertigten Abgeordneten Korosec und Kugler stellen daher § 27 Abs. 4 der Geschäftsordnung des Landtages für Wien folgenden Antrag:

Der Wiener Landtag fordert die amtsführende Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen auf dafür Sorge tragen, dass durch ein verbessertes Bettenmanagement Gangbetten in den städtischen Spitälern künftig vermieden werden und dadurch die Empfehlungen des Stadtrechnungshofes und der Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft (WPPA) rasch umgesetzt werden.

Weiters möge die amtsführende Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen dafür Sorge tragen, dass dem Wiener Landtag bis Jahresende 2017 ein nachhaltiges Konzept zur Reduktion der Wartezeiten bei planbaren Operationen vorgelegt wird.

Es mögen folgende Aspekte bei der Planung und Ausarbeitung der genannten Konzepte beachtet werden:

• Optimierung des Betten- und Belagsmanagements inklusive einer darauf abgestimmten Urlaubs- und Fortbildungsplanung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KAV
• Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen dem KAV und den Spitälern der AUVA, um dadurch beispielsweise die unfallchirurgische Versorgung von Patientinnen und Patienten in der Nacht zu verbessern
• Bei starker Auslastung sollen Zimmer, die derzeit ausschließlich mit Sonderklassepatienten belegt sind, nach Maßgabe der räumlichen Gegebenheiten auch mit Patientinnen und Patienten der allgemeinen Gebührenklasse belegt werden können
• Um eine bessere Nutzung der Infrastruktur für die Behandlung von Patientinnen und Patienten zu erreichen, sind die Betriebszeiten der OP-Säle in den Morgen- und Abendstunden auszuweiten.

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