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Vertreibung, Leid und Hoffnung in Bildern – ein Nachruf auf Prof. Robert Hammerstiel
19. Januar 2021
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In meinem Büro hängt ein Bild von Robert Hammerstiel. Am 23. November 2020 ist er nach einem bewegten Leben, heimatvertrieben und mit einer großen Kunstkarriere, verstorben. Auf dem Bild in meinem Büro heißt es: „Es gibt viele Dinge, welche wir zeugen, Dinge, die uns das Fürchten lernen, die uns vernichten drohen. Unsere einziger Trost sind unsere Mütter und ihre Liebe. Sie wissen von unserer Boshaftigkeit, von unserer Erbärmlichkeit. Dennoch lieben sie uns und gebären uns fortwährend.“ – Auf dem ersten Blick klingt das pessimistisch: In Wirklichkeit ist es eine Botschaft der Zuversicht. Jeder Tag ist neu. Liebe und Hoffnung sterben nicht. Wir können uns immer für das Gute entscheiden.

Hammerstiels Geschichte, die sich in seiner Kunst widerspiegelt, ist von seiner tragischen Vertreibungsgeschichte doch auch von Neubeginn und Hoffnung geprägt. Von besonderer Bedeutung ist sein Werk auch deswegen, weil es uns hilft, die Geschichte so vieler Heimatvertriebener aus dem Blickwinkel der Kunst tiefer nachzuempfinden.

Robert Hammerstiel wurde am 18. Februar 1933 in Werschetz/Vršac in Banat geboren. Gegen Ende des 2.Weltkrieges wurde der damals 11-Jährige mit seiner Familie aus dem elterlichen Wohnhaus vertrieben und musste drei Jahre in verschiedenen Internierungslagern in Jugoslawien verbringen. Gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder gelang ihm schließlich im August 1947 die Flucht über Ungarn nach Österreich. Dieses tragische Vertreibungsschicksal teilte er mit Tausenden anderen Donauschwaben.

In Österreich erkämpfte sich Prof. Hammerstiel seinen Rang in der Kunstszene und konnte auf eine umfangreiche internationale Ausstellungstätigkeit zurückblicken. Sein bewegtes und von Schicksalsschlägen geprägtes Leben ist in seinem Werk spürbar, das ihm in der Kunstszene Anerkennung verschaffte. Leid, Freude, Einsamkeit, Entbehrung, Gewalt, Tod, Angst und Glaube spielten im Leben von Robert Hammerstiel sowie in seiner Kunst eine bedeutende Rolle. Nicht verwunderlich ist, dass ebenso die Suche nach Glück, Geborgenheit und Heimat in seinem Leben und Werk stets präsent war.

Einzelausstellungen im Leopold Museum sowie eine umfassende Werkschau im Wiener Künstlerhaus mit dem Zyklus der Hommagen sind nur Beispiele für den Stellenwert, den dieser außerordentliche schwäbische Künstler errungen hatte. Die Verhüllung des Wiener Ringturms mit einer über 4.000 m2 großen Netzfolie, auf der vier seiner Werke zu den Themen Kindheit, Jugend, Familie und Alter zu sehen waren, verwandelten diesen motivisch zum „Turm des Lebens“ und gaben einen besonderen Einblick in  das umfangreiche künstlerische Schaffen Hammerstiels. Seine kunstvollen Arbeiten bereichern außerdem das „Haus der Heimat“ in Wien.

Hier eine Galerie mit einigen Werken des schwäbischen Künstlers: Prof. Robert Hammerstiel (galerie-augustin.com)

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