Warum ich das Frauenvolksbegehren nicht unterstütze
15. Februar 2018
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Keine Ministerin wird das Frauenvolksbegehren unterschreiben – ich meine: zu Recht. Selbstverständlich haben die Verfasserinnen Recht damit, dass „Frauen gleich viel wert“ sind und „gleich viel Geld verdienen“. Wenn es den Frauen gut geht, geht es allen gut. Die Politik trägt hier große Verantwortung. Dafür werde ich mich, dafür wird die Regierung sich immer engagieren.
Das Frauenvolksbegehren beinhaltet einige wichtige Forderungen, darunter eine verstärkte Gewaltprävention. Diese werden von den zuständigen Ministerien selbstverständlich aufgegriffen und geprüft.
Es enthält aber auch einige fragliche Forderungen, wie z.B. die Einführung einer allgemeinen 30-Stunden-Woche, oder eine verpflichtende Geschlechterquote von 50 Prozent auf allen Ebenen. Die Forderung nach der vollen Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Krankenkassen und die Durchführung derselben in allen öffentlichen Krankenanstalten geht an den Bedürfnissen von Schwangeren in Konfliktsituationen komplett vorbei.
Der kath. Familienverband etwa bemängelt, dass das Frauenvolksbegehren nur „erwerbstätige Frauen ohne Betreuungspflichten im Fokus“ hat. Vizepräsidentin Wirth kritisiert, dass „weder die gesetzliche Anerkennung der Elternkarenz als Vordienstzeit noch die Anrechnung der Karenzzeiten für die Biennalsprünge gefordert werden“. Dadurch würde die „Benachteiligung von Müttern, die aufgrund von Kinderziehungszeiten ihre Erwerbsarbeit unterbrechen“ nicht beseitigt. „Betreuungs- und Familienarbeit wird nicht berücksichtigt,“ obwohl die „überwiegende Betreuungs- und Pflegearbeit in der Familie – insbesondere von Frauen und Müttern – geleistet“ wird.
Zudem fehlen andere wichtige Anliegen: Stärkere Maßnahmen gegen Menschenhandel, eine moderne Form der Sklaverei, die zu 80% Frauen betrifft, werden nicht gefordert. Auch die Gefahr der Ausbeutung der Frauen in der Reproduktionsmedizin wird nicht thematisiert, obwohl dieses Problem bereits von vielen Seiten aufgezeigt wurde.
Sollte man nun ein Volksbegehren unterstützen, wenn man nur einen Teil davon gut findet? In diesem Fall ist meine Entscheidung ein Nein. Denn es geht um eine Abwägung von unterstützungswürdigen und nicht-unterstützungswürdigen Inhalten; es geht um NoGos, die sich darin finden; und es geht um das zugrundeliegende, in meinen Augen stark verkürzte Frauenbild.

Link zum Artikel auf kath.net: http://www.kath.net/news/62779

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5 comments

  1. Genau aus denselben Gründen, die Sie anführen, kann auch ich dieses Volksbegehren nicht unterzeichnen. Das Glas ist leider halbleer.

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  2. Bitte bringen Sie auch hier das Zitat von Bruno Kreisky aus dem Jahr 1973, das sie in Ihrem Leserbrief als Argument angeführt haben. Übrigens: so viel ich weiß, hatte Bruno Kreisky selbst eine Tochter mit Trisomie 21!

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  3. Uta Cotroneo- Gröger

    Ja, es geht um ein stark verkürztes, ja verzerrtes Frauenbild, das sich „eingebürgert“ hat.
    Es ist vielmehr ganz wichtig auf allen Ebenen die Ursachen der Abtreibung aufzudecken, die eben mit einem falschen Menschen.- und Frauenbild zusammenhängen. Mann und Frau sollte man nicht gegeneinander ausspielen- Beide sind gleich viel wert, aber nicht das Gleiche.Es geht um die Menschenwürde und um die Lebenskultur an der Basis.Schwangerschaften sind eben keine Erkrankungen.
    Das kann man nicht mit gutem Gewissen unterstützen.
    Uta

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  4. Vielen Dank für Ihre Recherche!

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  5. Angela Pichler

    In dieser Beurteilung und Auflistung von Gründen, warum das vorliegende Frauenvolksbegehren nicht unterschreibbar ist, bin ich ganz bei Ihnen!
    Danke für die Zusammenstellung der Argumente!

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