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Warum psychische Krankheiten häufiger werden und was wir dagegen tun könnten
30. September 2016
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Die SPÖ hatte für die Aktuelle Stunde des Landtags am 30. 9. das Thema „Jeder vierte Mensch wird einmal in seinem Leben psychisch krank oder durchlebt eine psychische Krise. Tendenz steigend. Wien nimmt die Herausforderung an“ angesetzt.

Dazu machte ich folgende Wortmeldung:
(Hier auf Youtube zu sehen: https://youtu.be/ozmkFwgL1bE)

Werte Kolleginnen und Kollegen, die Zahl der psychischen Krankheitsfälle hat sich in wenigen Jahren verdreifacht. Am 15.9. sagte der PVA-Generaldirektor Kurt Aust: „Wir rüsten uns für einen Ansturm in den nächsten Jahren.“ (siehe: derstandard.at/2000044362270/Rehab-Psychische-Erkrankungen-massiv-gestiegen)

Eine dramatische Entwicklung! Und trotzdem fragt niemand nach den Gründen und Ursachen dieses Problems.

Ich habe mir von Experten sagen lassen, dass es drei Faktorengruppen gibt:
1) Biologische Faktoren (Genetik, Unfall mit Hirnschädigung, embryonale Fehlentwicklung, Drogen, Stoffwechsel, etc.).
2) Psychologische Faktoren (Stress, Vernachlässigung und Einsamkeit, Missbrauch, Trauma, Bruch in der Herkunftsfamilie, etc.)
3) Umweltfaktoren (Scheidung, Armut, ungesunde Lebensweise, Sucht, etc.)

Wir müssen viel mehr darüber reden, wie wir psychische Krankheiten verhindern können, als wo wir Psychiatrie-Stationen eröffnen können!

Ich erlaube mir, Ihnen ein Gedicht von Alfonso Peirera vorzulesen, das unsere Gesellschaft charakterisiert und dabei verdeutlicht, was schief läuft.

So reich waren wir nie wie heute –
so habgierig aber waren wir auch nie, wie heute

so satt waren wir nie wie heute –
so unersättlich aber waren wir auch noch nie wie heute

so schöne Häuser hatten wir nie wie heute –
so unbehaust, so heimatlos aber waren wir auch nie wie heute

so viel versichert waren wir nie wie heute –
so unsicher aber waren wir nie wie heute

so vielwissend waren wir nie wie heute –
so sehr die Übersicht verloren haben wir nie wie heute

so viel gesehen haben wir nie wie heute –
so blind aber waren wir nie wie heute

so risikolos haben wir nie gelebt wie heute –
so isoliert aber waren die Menschen nie wie heute

So eng aneinander haben die Menschen nie gelebt wie heute –
so weit voneinander entfernt aber waren die Menschen nie wie heute.

Was sollte unsere Antwort sein auf das Ansteigen der psychischen Erkrankungen?
1) Wir müssen uns für den den Ansturm rüsten (dazu hier einige konkrete Vorschläge)
2) Wir müssen die Krankheiten früher erkennen
3) Wir müssen Ursachen herausfinden und
4) Präventionsarbeit machen, in dem wir die Risikofaktoren verringern

Dazu gehört es, die Familien zu stärken: Familien vom Stress von außen befreien, und den Zusammenhalt stärken. Dazu gehört es, Kindern ein stressfreies Aufwachsen zu ermöglich. Dazu gehört es auch, Sorge zu tragen, dass Eltern nicht Burnout gefährdet sind, weil sie von einem Gehalt nicht leben können.

5) Integration der Betroffenen: Entstigmatisieren und Integrieren: „Ziel ist es, dass die Menschen mit der eigenen Erkrankung umgehen lernen und in der Gesellschaft integriert bleiben“ – so PVA-Chefärztin Ursula Graninger (s.o.)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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1 comment

  1. karl heinz wöss

    Ich mache die Erfahrung, dass ehrenamtliche Tätigkeit sehr häufig reduziert wird auf: Spende auf Konto….
    Die persönliche Mitarbeit wird selten gewünscht!
    Aber wir sprechen über und von Einsamkeit und Vereinsamung!?
    Ich glaube, dass diverse Hilfsorganisationen weniger Geschlossenheit im Sinne von Ausschließen praktizieren sollten

    Antworten Edit