Die 25. Alliance Conference Against Trafficking in Persons, die von der OSZE organisiert wurde und vom 31. März bis zum 1. April 2025 in der Wiener Hofburg stattfand, widmete sich dem Thema Kinderhandel. Unter dem Titel “Protecting Childhoods, Shaping Futures: A Call to End Child Trafficking” diskutierten Experten, politische Vertreter und Betroffene aus aller Welt über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze.
Angela Me vom Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) machte in ihrem Beitrag deutlich, dass ein weitverbreiteter Irrglaube über Menschenhandel besteht: “Die Mehrheit der Opfer stammt aus ihrem eigenen Land – es sind keine Fremden.” Der Menschenhandel dient oft der sexuellen Ausbeutung oder der Zwangsarbeit.
Derek Ray-Hill von der Internet Watch Foundation (IWF) beschrieb die rapide Zunahme von Missbrauchsinhalten, die Opfer selbst erstellen und ins Internet stellen, weil sie von Tätern dazu genötigt werden – eine Entwicklung, die insbesondere seit der COVID-19-Pandemie stark zugenommen hat. Besonders schockierend: Selbst Kleinkinder im Alter von drei bis fünf Jahren sind betroffen. Eine große Zahl der Opfer stamme aus EU-Staaten. Er forderte dringend mehr Schutzmöglichkeiten für betroffene Kinder: “Wir brauchen sichere Anlaufstellen, an die sich Kinder wenden können, wenn sie in diese Situation geraten.”
Ein besonders eindrucksvoller Beitrag kam von Sosa Henkoma, der als “Expert by Experience” seine eigene Geschichte erzählte. Als Kind wurde er ausgebeutet, musste Drogen verkaufen und war ständig Gewalt ausgesetzt, kam ins Gefängnis. Mit 21 erkannte er, dass er nicht nur ein Straftäter, sondern selbst ein Opfer war. “Unsere Vergangenheit definiert nicht unsere Zukunft,” sagte er mit Nachdruck. Heute setzt er sich dafür ein, dass betroffene Kinder frühzeitig Hilfe bekommen.
Auch Zuzana Király, Staatsanwältin aus der Slowakei, berichtete von bedrückenden Realitäten: Sie sprach über die Zwangsverheiratung von Kindern, als innerfamiliäres Problem: Ein besonders erschütternder Fall: Eine 11-Jährige wurde in der Slowakei von ihren Eltern zwangsverheiratet – gefügig gemacht durch Isolation und Gewalt. Die Mutter wurde zu acht, der Vater zu 16 Jahren Haft verurteilt.
Kinderhandel ist kein fernes Problem, sondern eine bittere Realität – auch mitten in Europa. Es bedarf verstärkter Anstrengungen auf allen Ebenen: Regierungen, Justiz, Hilfsorganisationen und Gesellschaft müssen zusammenwirken. Senatorin Linda Reynolds brachte es auf den Punkt: “Wir müssen unser Geld nutzen, um Familien aus der Armut zu holen – nicht, um Kinder aus ihren Familien zu reißen.” Es braucht Bewusstsein, Frühintervention und vor allem eins: den unbedingten Willen, Kinder zu schützen und ihnen eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

