Soziologe Markus Schröder über die Zufriedenheit der Frauen – mit politischen Konsequenzen
20. August 2023
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Im Interview mit Jannine Hierländer in „Die Presse“ (6.8.) sagt der Soziologe Markus Schröder: „Lasst doch die erwachsenen Menschen leben, wie sie wollen“. Er hat zehntausende Datensätze untersucht und kommt zum Schluss: Frauen fühlen sich weder beruflich noch privat benachteiligt.

„Zu unterstellen, dass es ein Problem gibt, sobald Männer und Frauen nicht dasselbe machen, finde ich schwierig. Hier unterstellt der „illiberale Feminismus“, wie ich ihn nenne, dass die böse Hand des unsichtbaren Patriarchats die Frauen in Machtstrukturen gefangen hält, die sie selbst nicht bemerken. Das missachtet aber völlig eine alternative Erklärung: dass Menschen sich manchmal auch frei für unterschiedliche Lebensentwürfe entscheiden.“

„Ich sage, dass es im Durchschnitt Frauen und Männern etwa gleich gut geht. Und das liegt daran, dass Frauen weitgehend bekommen, was sie wollen. Sie wollen aber nicht dasselbe wie Männer, also bekommen sie auch etwas anderes. Es wird ja in der öffentlichen Debatte auch häufig unterstellt, dass es ein Problem ist, dass Frauen in andere Berufe gehen als Männer. Aber es zeigt sich in allen Ländern der Welt und seit über 100 Jahren in Umfragen unverändert: Grosso modo interessieren sich Männer für alles, was mit Dingen und Systemen zu tun hat. Und Frauen interessieren sich mehr für alles, was mit Menschen zu tun hat.“

„Lasst doch die erwachsenen Menschen so leben, wie sie wollen. Solang es ihnen gutgeht. Und die Daten zeigen, dass die Menschen mit ihren Entscheidungen durchaus zufrieden sind. Wir haben deswegen kein Recht, dem Physikstudenten zu sagen, dein Interesse hat dir das Patriarchat eingeredet, studiere doch besser Pädagogik. Oder der Pädagogikstudentin zu sagen, eigentlich ist Nuklearphysik das Richtige für dich.“

Eine Folge davon: „Es gibt sehr viele Haushalte, in denen der Mann mehr verdient, länger arbeitet, teilweise in anstrengenden Jobs. Aber er sagt seiner Familie: Mein Konto ist euer Konto. Und davon profitieren auch viele Frauen. Die Situation, dass der Mann den Deckel auf sein Geld hält, spiegelt sich in den Daten nicht wider. 80 Prozent der Paare sagen, sie entscheiden gemeinsam darüber, wofür das Geld ausgegeben wird.“

„Dieser illiberale Feminismus präsentiert Frauen als chronische Opfer. Dessen Vertreter können sich nicht vorstellen, dass andere auch einmal Recht haben könnten. Statt sich danach zu richten, was die Menschen wollen, versuchen sie ihnen vorzuschreiben, wie sie leben sollten. Diese Teile des Feminismus und der Gender Studies fragen nicht die Frauen, wann es ihnen gut geht und was sie wollen. Sondern sie präsentieren Frauen als machtlose Opfer ihrer Lebensumstände. Auch wenn diese sich überhaupt nicht so fühlen.“

Zum gesamten Interview: https://www.diepresse.com/13928731/lasst-doch-die-erwachsenen-menschen-leben-wie-sie-wollen

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