1. Juni – Tag des Lebens
1. Juni 2016
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Seit 40 Jahren ist es in Österreich straffrei möglich, ungeborene Kinder abzutreiben. Am 1. Juni, dem Tag des Lebens, denken wir darüber nach, wie wir die Würde jedes Menschen besser schützen können – insbesondere das Lebensrecht der Ungeborenen.

Obwohl jeder Apfelbaum in einer Statistik verzeichnet ist, gibt es in dieser lebenswichtigen Angelegenheit keine offiziellen Zahlen: auf zwei Geburten kommt eine Abtreibung, schätzt die Ärztekammer.

Hier ein paar Zahlen:
Geburten:
• 1994: 92.415
• 2003: 76.944
Geschätzte Abtreibungen:
• 30.000 (Quelle: Ärztekammer)
Geburten mit Down Syndrom:
• 1984: 32
• 2004: 11
Geburten mit Gaumenspalte mit Lippenspalte:
• 1994: 60
• 2003: 20

Auch die Gründe, die zu dieser dramatischen Entscheidung führen, sind unerforscht. Erfordernisse konkreter Hilfe können nur erahnt werden. Warum wird ein Thema, das unzählige Frauen, Männer, Großeltern, Freundinnen und Familien betrifft, in Österreich so folgenschwer tabuisiert? Warum gibt es keinen öffentlichen Dialog mit dem Ziel all jenen zu helfen, die nach Auswegen suchen?

Kardinal König nannte die Fristenregelung eine „offene Wunde“. Es ist höchste Zeit, diese Wunde zu behandeln und das Tabu zu durchbrechen. Das geht nur, wenn viele mithelfen. Jede Stimme zählt.
Bruno Kreisky sagte in einer Rede vor dem Nationalrat, 29.11.1973, über die Straffreistellung der Abtreibung: „Man muss alles tun, um im Bereich der Politik diesen ganzen Paragraphen so obsolet zu machen, wie dies mit den Mitteln der Politik, der Psychologie und auch der Moral nur geht, um die Frau zu veranlassen, dass sie dann, wenn sie empfangen hat, das Kind behält.“

Österreich müsste viel mehr tun, damit es leichter fällt, sich für ein Kind zu entscheiden! In Wien hat mir die zuständige Stadträtin kürzlich zugestanden, dass wir unabhängig aller politischer Unterschiede gemeinsam versuchen wollen, die Schwangerschaftsabbrüche durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren. Hoffentlich wird das gelingen.

Auf Bundesebene müssen dringend die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessert werden. Diese Verbesserungen beinhalten:

Im Bereich Abtreibung:
– Einführung einer Motiverhebung und Statistik und
– einer min. 3-tägigen Bedenkzeit und einer Hinweispflicht auf Beratung
– Korrektur der Kind als Schaden Judikatur
– Streichung der Indikationen, unter denen man bis zur Geburt abtreiben kann bei Unmündigkeit bei Empfängnis oder bei Verdacht auf eine Behinderung.

Im Bereich Bioethik:
– Verbot der Leihmutterschaft
– Stärkere Kontrollen beim FMedG
– Verpflichtende psychologische Begleitung/Beratung im Rahmen der Reproduktionsmedizin
– Kampf gegen schleichende Anerkennung der Leihmutterschaft (Den Haag, Europarat, Judikatur ….)
– Besondere Bedeutung der leiblichen Elternschaft / Recht des Kindes auf Kenntnis der Herkunft und Betreuung durch leibliche Eltern

Auch die Familienpolitik ist für den Lebensschutz wichtig:
– Unterstützung der Familien inkl. Steuerentlastung (Stichwort: steuerfreies Existenzminimum)
– Wahlfreiheit bei Kinderbetreuung / Anerkennung der Wahlfreiheit auch durch Kinderbetreuungsgeld und Pension
– Beibehaltung des biologischen Geschlechts als rechtlich relevantes Unterscheidungsmerkmal

Am Lebensende
Kardinal Königs Worte sind berühmt geworden: „Der Mensch soll nicht durch die Hand eines anderen Menschen, sondern an der Hand eines anderen Menschen sterben.“
Auch in diesem Bereich gibt es Handlungsbedarf in Österreich, so müßte man zum Beispiel folgendes machen:
– Ausbau der Hospizmöglichkeiten (Dafür setze ich mich in Wien ganz besonders ein!)
– Förderung und flächendeckende Zuverfügungstellung der Palliativmedizin
– Ausbau der Pflegekarenz und die soziale Absicherung pflegender Angehöriger

Für Christen ist dieses Thema ganz besonders wichtig. Denn in der Geschichte haben immer wieder Christen gerade die Themen aufgegriffen, in denen ihre Zeitgenossen mit Blindheit geschlagen worden. Oft war und ist es, solche Anliegen anzusprechen. Auch heute müssen wir denen versuchen eine Stimme zu geben, die selbst noch keine haben.

Ihre Gudrun Kugler

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3 comments

  1. Liebe Gudrun!

    Ich wünsche Dir alles Gute bei diesem Versuch. Das ist klar! Aber ich muss schon dazu sagen, und will hier nicht schon im voraus negativ sein, denn an und für sich ist dieses Thema für mich sehr wichtig, aber im Lichte dessen, dass wir nun einen Grünen Bundespräsidenten haben, der auch von deiner Partei voll unterstützt wude, dass er es wird, wissen wir was er über dieses Thema denkt, nämlich genau das Gegenteil. Daher können wir auch schon ahnen in welche Richtung dieses Land geht, und diese Vorstellung macht mich immens traurig. LG, Gerda

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  2. Evelyn Wagner

    Danke liebe Gudrun für deine unermüdliche Arbeit die so wertvoll und wichtig ist. Das Frausein und die Familie muss wieder hervorgehoben werden. Eine Frau ist nicht nur dann etwas wert, wenn sie arbeitet, sondern insbesondere auch dann, wenn sie die Kinder großzieht, die für die Zukunft unseres Landes verantwortlich sind. Diese Arbeit müsste als solche anerkannt und honoriert werden. Das Geld was teilweise in nicht notwendige Kinderbetreuungseinrichtungen fließt, könnte den Müttern direkt gegeben werden, sodass diese ein Einkommen haben und später auch einmal eine Pension. Unsere Gesellschaft muss sich klar darüber werden, wie wichtig Frauen und Kinder sind!
    Gottes Segen für dich, deine Familie und deine Arbeit!

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  3. Marie Theres Habsburg

    Beste Gudrun , danke für Deinen Einsatz, wir sind Dir so dankbar, und sind auch sehr stolz auf Dich, Gott segne Dich und Deine Schar !

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