Drittes Geschlecht? Nein, es geht um die Kategorie „unbestimmt“
20. Juli 2018
0
Der VfGH führt kein „drittes Geschlecht“ ein (dieser Begriff kommt in den 22 Seiten des Erkenntnis nicht vor). Der Begriff „drittes Geschlecht“ ist irreführend, weil es nicht um einen neuen Geschlechtstypus geht, sondern um die rechtliche Akzeptanz, dass sich manche Menschen nicht dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. An der biologischen binären Geschlechtsordnung von Mann und Frau ändert das nichts.
 
Der VfGH hält lediglich fest, „dass die Geschlechtsentwicklung mancher Menschen gegenüber einer männlichen oder weiblichen Geschlechtsentwicklung Varianten aufweist und es heute dem Stand der medizinischen und sonstigen einschlägigen Wissenschaften entspricht, zwischen Intersexualität (atypische Entwicklung des chromosomalen, anatomischen oder hormonellen Geschlechts ) und Transidentität (eindeutig genetisch und/oder anatomisch bzw. hormonell einem Geschlecht zugewiesen [ist], […] sich in diesem Geschlecht aber falsch oder unzureichend beschrieben [fühlt] bzw. […] auch jede Form der Geschlechts- zuordnung und Kategorisierung ab[lehnt]) zu unterscheiden.“
 
Der VfGH folgt dem Gesuch nicht, § 2 Abs. 2 Z 3 Personenstandsgesetz 2013 aufzuheben. Er erkennt aber, dass es für eine Verfassungskonformität notwendig ist, jenen, die aufgrund von Intersexualität oder Transidentität sich (noch) nicht mit den Geschlechter weiblich oder männlich identifizieren können, die Möglichkeit eingeräumt werden soll, die Geschlechtsangabe offen zu lassen bzw. „offen“ oder „unbestimmt“ (Bezeichnung wurde nicht festgelegt) anzugeben: „Eine solche Zuordnung [ist …] solange offen zu lassen, bis Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung gegenüber männlich oder weiblich eine solche selbstbestimmte Zuordnung ihrer Geschlechtsidentität möglich ist.“ Aufgrund der „geringen Anzahl der Betroffenen“, so der VfGH, ist in dieser Angelegenheit besonders sensibel vorzugehen.
 
Der VfGH stellt mit diesem Erkenntnis die Geschlechterdualität und -komplementarität nicht in Frage, die unsere Welt – Mensch und Tier gleichermaßen – prägt, und ohne die es kein Leben auf dem Planeten geben würde. Auch die Einführung der Kategorie „offen“ oder „unbestimmt“ tut dies nicht.
 
 
Diesen Beitrag teilen:
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter

Schreibe einen Kommentar

*