Forderung nach einem Gebetshaus und Friedhof für Jesiden in Wien
27. Juni 2017
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Das Jesidentum ist eine uralte monotheistische Religion mit Elementen aus westiranischen, altmesopotamischen Religionen sowie aus Islam, Judentum und Christentum. Ihre Wurzeln reichen bis zu 4.000 Jahre zurück. Über die Zahl der Jesiden gibt es nur Schätzungen – weltweit sollen es etwa eine Million sein. In Österreich dürften aktuell rund 1.000 Jesiden leben, der Großteil in Wien.

Unter den ganz überwiegend muslimischen Kurden bilden sie eine Minderheit. Ihr Siedlungsgebiet ist identisch mit der von den Terrormilizen beanspruchten Region zwischen dem Irak, Syrien und der Türkei. Anders als Juden, Christen und Muslime besitzen die Jesiden kein heiliges Buch. Die Jesiden geben ihren Glauben an die nachfolgenden Generationen in mündlicher Überlieferung weiter. Weil man nur durch Geburt Jeside werden kann und die Religionspraktiken Außenstehenden weitgehend verborgen bleiben, haftet ihnen etwas Geheimnisvolles an. Zentrale Figur neben dem Schöpfergott Ezid ist der Engel-Pfau Taus-i-Melek, der zwischen Gott und Menschen vermittelt. Jesiden lehnen den Dualismus von Gott und Teufel ab und glauben zudem an die Seelenwanderung nach dem Tod und an die Erlösung im Jenseits durch ein moralisch und religiös vorbildliches Leben auf Erden.

In ihren Heimatgebieten im Vorderen Orient waren und sind die Jesiden einer doppelten Verfolgung ausgesetzt: Einmal ethnisch, weil sie Kurden sind, und zum anderen religiös, weil sie in den Augen fanatischer Muslime als „Ungläubige“, „vom wahren Glauben Abgefallene“ gelten. In ihren Heimatgebieten können Jesiden daher oft nur öffentlich in Erscheinung treten, wenn sie ihre Identität verleugnen.

Deshalb fordere ich die zuständigen Stellen der Stadt Wien auf, in Gespräche mit der jesidischen Gemeinde zu treten und bei der Errichtung eines Gebetshauses sowie Einrichtung eines Friedhofes für die Gemeinde dieser unterstützend zur Seite zu stehen.
Zudem fordere ich den Wiener Gemeinderat auf, die Verfolgung der Jesiden zu verurteilen und ihnen im Rahmen des Zuständigkeitsbereiches der Stadt Wien seine Unterstützung zuzusichern.

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