Familie ist mehr als Arbeit
7. August 2026
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Die Aussage von Bundeskanzler Christian Stocker zur Kinderbetreuung hat einige irritiert: Sie verstanden sie so, als wolle er die Leistung von Eltern kleinreden durch den Teilsatz „Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen“. Der Satz ist für sich allein genommen falsch. Das hat er auch am Tag darauf mit einer Entschuldigung erklärt. Der Kanzler wollte damit aber nicht sagen, dass Kinderbetreuung nicht arbeitsintensiv oder weniger wert wäre als Erwerbsarbeit. Sondern daran erinnern, dass sie so wertvoll ist, dass sie sich nicht auf einen Lohnzettel reduzieren lässt.

Er sagte, Familie sei kein Business Case. Sie sei kein Rechenbeispiel. Familie bedeute, Ja zueinander zu sagen, Verantwortung füreinander zu übernehmen und etwas zu tun, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Der Kanzler erklärte sich am Tag darauf: „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit.

Kinderbetreuung ist Arbeit. Gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisten damit Großartiges.

Familie ist aber kein Unternehmen und kein Job, wo man nach getaner Arbeit das Büro verlässt. Der Lohn ist nicht in Geld zu messen, sondern in Vertrauen, Zusammenhalt und in unzähligen gemeinsamen Momenten. Meine Frau und ich haben unsere zwei Kinder gemeinsam großgezogen und wir waren in dieser Zeit beide berufstätig. Ich weiß, wie sehr einen diese Aufgabe fordert. Ich weiß, was es heißt, ein Kind die ganze Nacht herumzutragen, wenn es krank ist. Ich weiß, wie es ist, wenn beide gleichzeitig krank sind. Aber ich weiß auch, wie schön es ist, wenn sie gehen lernen, wie stolz sie sind auf ihre Leistungen, aber auch, wie herausfordernd es ist, wenn sie ihre Grenzen austesten. Ich weiß, wie sehr sich diese Arbeit lohnt. Familie ist nun mal kein Business Case. Nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt und gemeint.

Mütter, Väter, Großeltern – sie alle leisten bei der Betreuung und Erziehung unserer Kinder einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes. Dafür verdienen sie unseren Dank, unsere Hochachtung und unsere Unterstützung.“

Kinderbetreuung gehört zweifellos zu den anspruchsvollsten Aufgaben überhaupt. Wer Kinder begleitet, weiß: Das ist oft anstrengender als jeder Acht-Stunden-Arbeitstag. Eltern sind rund um die Uhr gefordert. Sie tragen Verantwortung, schenken Geborgenheit, vermitteln Werte und legen das Fundament für das ganze weitere Leben eines Menschen. Es gibt kaum etwas Wertvolleres. Aber gerade deshalb ist Kinderbetreuung eben mehr als Erwerbsarbeit.

Erwerbsarbeit ist ein Austausch. Ich erbringe eine Leistung und erhalte dafür Lohn. Familie folgt einer anderen Logik. Eltern verzichten auf Schlaf, Freizeit und oft auch auf berufliche Möglichkeiten. Nicht, weil sie dafür bezahlt werden, sondern weil sie sich füreinander entschieden haben. Familie lebt vom Geschenk des gegenseitigen Ja. Deshalb wollen wir Familie nicht ausschließlich in Stunden, Kosten oder entgangenem Einkommen messen. Natürlich kann man den wirtschaftlichen Wert unbezahlter Familienarbeit berechnen. Aber ihr eigentlicher Wert liegt gerade darin, dass sie sich einer solchen Berechnung entzieht.

Das bedeutet keineswegs, dass der Staat Familien nicht unterstützen soll. Im Gegenteil. Österreich gehört zu den Ländern mit den großzügigsten Familienleistungen Europas. Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Familienbonus Plus, die Anrechnung von Kindererziehungszeiten in der Pension und ein dichtes Netz öffentlicher Kinderbetreuung sind Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität. Dass Familien Unterstützung erhalten, ist richtig und selbstverständlich.

Unser christlich-soziales Menschenbild sieht die Familie als die erste Gemeinschaft der Verantwortung. Sie ist der Ort, an dem Menschen lernen, füreinander einzustehen, bevor der Staat eingreift. Der Staat soll Familien stärken, nicht ersetzen. Er soll dort helfen, wo Hilfe notwendig ist, aber nicht jene Beziehungen verwalten, die gerade von Freiwilligkeit, Liebe und Verantwortung leben.

Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Kinder geboren werden und Familie zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerät, ist das eine Botschaft, die es verdient, gehört zu werden. Denn eine Gesellschaft lebt nicht nur von wirtschaftlicher Leistung. Sie lebt vor allem von Menschen, die bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen. Und genau dort beginnt Familie.

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