„Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir“ – Internationales Parlamentarisches Gebetsfrühstück 2026 im Parlament
19. Mai 2026
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Am 19. Mai 2026 fand im österreichischen Parlament das neunte Internationale Parlamentarische Gebetsfrühstück statt. Unter dem Leitwort aus dem Buch Jesaja „Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen“ kamen Abgeordnete, Gäste aus ganz Österreich und darüber hinaus zusammen, um gemeinsam zu beten, zu singen und ein Zeichen der Hoffnung, des Vertrauens und der Verbundenheit zu setzen.

Eröffnet wurde das Gebetsfrühstück von Abg. z. NR Dr. Gudrun Kugler und Abg. z. NR Elisabeth Feichtinger. In ihrer Begrüßung hoben sie den besonderen Charakter dieser Veranstaltung hervor: Gastgeber ist der überparteiliche Kreis von Abgeordneten, die sich regelmäßig vor Plenarsitzungen zum Morgengebet treffen. Rund 50 Abgeordnete aus allen Parlamentsparteien waren anwesend. „Was wir hier tun, ist kein politisches Statement, sondern ein gemeinsames Bitten um Gottes Segen – hier im Haus, für das Parlament und für Österreich“, so Gudrun Kugler als der Grundgedanke des Vormittags.

Grußworte kamen von Nationalratspräsident Dr. Walter Rosenkranz sowie Landtagsabgeordnete Luise Däger-Gregori in Vertretung des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig. Musikalisch wurde die Veranstaltung vom Chor von Abgeordneten des Nationalrates und Bundesrates sowie parlamentarischen Mitarbeitern unter der Leitung von Thomas Dolezal gestaltet.

Ein besonderer geistlicher Akzent wurde durch Psalm 121 gesetzt, vorgetragen von Abg. z. NR a.D. Hermann Weratschnig. Die Worte „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat“ griffen das Leitmotiv des Vormittags auf: Gottes Nähe und Treue gerade in schwierigen Zeiten.

Einen besonderen Höhepunkt bildete der Impuls von Kardinal Christoph Schönborn. Er widmete sich der Frage, welche Haltung christliche Politiker in einer Zeit einnehmen können, in der öffentliche Debatten zunehmend von Zuspitzung, Aufregung und persönlichen Angriffen geprägt sind. Anknüpfend an Robert Schuman ermutigte er dazu, Situationen zu entdramatisieren, den Humor nicht zu verlieren und Angriffe nicht mit Gegenangriffen zu beantworten. Diese drei Haltungen entfaltete er sowohl aus einer säkularen Perspektive als auch aus christlich-theologischer Sicht.

In zahlreichen Fürbitten brachten Abgeordnete verschiedener Parteien die Anliegen unserer Zeit vor Gott. Gebetet wurde für Frieden, für Verantwortliche in Politik und Gesellschaft, für Menschen in Not, für Familien, Kinder und kommende Generationen sowie für jene, die unter Krieg, Verfolgung, Einsamkeit oder Unsicherheit leiden. Die Fürbitten wurden von Abgeordneten aus allen Parlamentsfraktionen gesprochen und unterstrichen erneut den überparteilichen Charakter dieser Veranstaltung.

Neben Gebet und geistlichem Impuls bot das Frühstück auch Raum für persönliche Gespräche an den Tischen. Gerade diese Begegnungen machen den besonderen Charakter des Parlamentarischen Gebetsfrühstücks aus: Menschen mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen, verschiedensten Konfessionszugehörigkeiten und biografischen Hintergründen kommen miteinander ins Gespräch, hören einander zu und suchen nach dem, was verbindet.

Ein bewegender musikalischer Höhepunkt war das Lied „Amazing Grace“, vorgetragen unter anderem von Abg. z. NR Elisabeth Feichtinger, Abg. z. NR Norbert Sieber und dem Chor, bestehend aus Abgeordneten mehrerer Parteien und parlamentarischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Das Parlamentarische Gebetsfrühstück zeigte auch in diesem Jahr, wie wertvoll Orte des Gebets, der Begegnung und des gegenseitigen Respekts im politischen Raum sind. Es erinnerte daran, dass politisches Handeln nicht nur Sachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein braucht, sondern auch Demut, Hoffnung und die Bereitschaft, Brücken zu bauen.

Beitrag zum Gebetsfrühstück in der Kathpress: Schönborn an Politik: “Entdramatisieren, Humor, nicht zurückschlagen”

Beitrag zum Gebetsfrühstück in der Tagespost: Schönborn: „Gott ist der Herr der Geschichte!“ | Die Tagespost

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